Die bischöfliche Burg

Ausschnitt aus dem Votivbild des Pflegers v. Helmstadt: Die bischöfliche Burg Hirschberg um 1640 (nach der Brandkatastrophe von 1636)
Nach dem Aussterben der Grafen von Hirschberg wurde Hirschberg nach 1305 Sitz eines Hochstiftischen Oberamtes.
Erbstreitigkeiten zwischen dem Bischof von Eichstätt und den
bayerischen Herzögen wurden im Vergleich von Gaimersheim beigelegt (19. Okt.
1305).
Der Bischof erhält die „niedern Burch zu Hirzperch“ und die zugehörigen
Leute, Güter und Gerichte.
Die Bischöfe strebten danach, die Burghutgüter in ihren Besitz zu bringen. Diese waren ausnahmslos Lehengüter. Bis Ende des 14. Jahrhundert war die Erwerbung von mindestens
dreier dieser Burggüter, die innerhalb der Hauptburg lagen, gelungen.
Bischof Raban (1365 – 1383) kaufte verschiedene Gebäude
zwischen den zwei Toren (inter duas portas). Gemeint ist das westliche Haupttor
und das Tor, welches die Grafenwohnung abschloss. Letzteres muss man in einem
Querbau durch den Hof in der Nähe der Kapelle suchen.
Der Umfangreiche Besitz der Schenken von
Geyern ging 1379 an den Bischof über. Die Brüder Heinrich und Wilhelm, Schenken
zu Hirschberg, verkauften ein großes Haus mit Zubehör in der niederen Burg an der äußersten östlichen Spitze,
ferner den Steinkasten beim Marstall (Südflügel), weiter den „Bauhof“ im Vorhof
mit Haus und Stadel und anderer „Zimmern“. Der Bauhof umfasste 110 Morgen
Ackerland, einen Krautgarten (etwa 2 Morgen), einen Krautgarten bei der „Hüll“
und zwei Baumgärten am Berg unter der Veste.
Ein goßes Haus in der Mitte des unteren Schlosses, welches durch Konrad von Hirschberg neu erbaut wurde, konnte ebenfalls vom Bischof erworben werden.
Durch diese Käufe scheint das Hochtift in den Alleinbesitz der Burg gelangt zu sein.
Der Bischof Friedrich von Öttingen (1383-1415) erbaute ein
stattliches Haus (valde solempnem et delicatam domum), wie das Gundekarianum
meldet. Die Lage lässt sich genau bestimmen, dessen beide Untergeschosse
bestehen noch. Das Gundekarianum berichtet, dass es mit einem neuen Turmverbunden war, dem nordwestlichen Eckturm.
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Bergfried von Nordwest - Der romanische Stumpf mit gotischem Aufbau
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Bergfried von Nordost - Die beiden vermauerten Türen führten ins Pflegerhaus
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Dieser Turm ist inseiner Höhe in der unteren Hälfte romanisch und aus der Grafenzeit stammend, die obere
Hälfte dagegen gotisch. Ursprünglich hatte das Gebäude vier Geschosse, wie die erhaltenen
Teilbildungen an der Ostseite des Turmes einwandfrei dartun.
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Ein Fenster mit Sitznischen und rechts die Tür zum Aborterker
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Ansatz Kreuzgewölbe und Durchgang zum Pflegerhaus
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Ein in der Süd-Wand verlaufender Kamin
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Beeindruckender Blick in den Körper des Nordturms
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Am Turm hat sich der alte Dachanschnitt und ebenso die
Zugänge vom Turm zu den nicht mehr vorhandenen Obergeschossen erhalten (siehe
oben im Votivbild von Helmstadt: hoher vier geschößiger Bau mit erkerartigen Anbau
durch die vier Geschosse (Treppenturm) dazu Treppengiebel. Der Dachansatz ist
heute noch sichtbar.
Ein kleinerer Vorgängerbau ist in dem Gebäude mit
aufgegangen. Es war baulich vom Turm getrennt, was den fortifikatorischen
Interessen der älteren Zeit entsprach.
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Am rechten Turm isr der Dachanschnitt des Verwalterhaus als Linie gut zu erkennen
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Keller mit Tonnengewölbe des romanischen Vorgängerbaus
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Der Neubau diente als Wohnung für die Beamten des
Oberamtes Hirschberg, für Pfleger, Kastner und sonstige Angestellte.
Friedrich von Öttingen umgab das Schloss an vielen
Stellen (pluribus locis) mit einer neuen Zwingermauer. Davon ist nichts
erhalten (siehe Votivbild).
Weitere Baumaßnahmen erfolgten zur Zeit Bischofs Johann
von Heideck. Dies geht aus einer Klage im Jahr 1423 hervor, wo der Marschalk,
dessen Burghutbehausung sich an der Ringmauer anlehnte, sich über
einen Wehrgangbau beschwerte.
Heidecks Nachfolger Albert von Hohenrechberg (1429-1446)
verbesserte die Schlossbefestigung. Nach dem Gundekarianum befestigte er den
Zugang zum Schloss mit einer hohen und dicken Mauer. Gemeint ist eine starke
Umwehrung der Zufahrt zum Schloss.
Die Zufahrt zum Schloss durch den südlichen Torturm wurde
vielleicht schon im 14. Jhdt. (der Enge wegen oder der Kompliziertheit des
Verschlusses) an die Südecke der Westseite verlegt. Der Torbogen ist rund, eine
der Kämpfer gekehlt, der andere geschrägt. Die beiden Pfeiler im Schlossgraben,
auf dem die Fallbrücke ruhte, haben sich erhalten. Eine genauere Datierung des
neueren Burgtores ist jedoch nicht möglich. Es könnte auch erst unter Albert von
Hohenrechberg angelegt worden sein. Von ihm stammt auch die starke Ummauerung des Zwingerraumes, in
dem man zunächst nach dem Passieren des Tores gelangte (siehe Votivbild). Von
ihm führte ein zweites Tor, welches in die romanische Ringmauer gebrochen wurde
in den Schlosshof. (Vgl. Grundriss).
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Links: Neueres Tor südlich des Torturms
Unten: In der Umfassungsmauer kann man noch die Umrisse des zweiten Tors erkennen

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Bischof Albert von Hohenrechberg erbaute ferner um das Schloss eine neue
Mauer, die mit vielen Türmen versehen war. Nicht an der Hauptburg, die wurde
bereits unter Friedrich von Öttingen mit einer zeitgemäßen Zwingermauer
versehen. Es handelt sich vielmehr um die hohen Mauern, welche den Burggraben
beiderseits schließen und um die Mauer der Vorburg, die sich bündig anschließt.
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Blick auf die südliche Mauer der Vorburg
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Äußere Ansicht der nördlichen Mauer der Vorburg
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Sperrmauer des südl. Burggrabens von außen
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Nördl. Sperrmauer des Gabens mit Blick auch die Türme der Vorburg
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An der Vorburg haben sich vier Türme erhalten. Zusätzlich standen an der
Grabenmauer zwei weitere Flankierungstürme. Der nördliche steckt unter dem Schutt des 19. Jhdt. und der südliche ist sogar noch im Grundriss von Felix Mader auszumachen. An
der Hauptburg sind auf dem Votivbild keine weiteren Türme zu erkennen.
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Der Wehrturm am südl. Ende des Burggrabens ist noch deutlich zu erkennen
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Auf dieser Karte ist der nördl. Flankierungsturm des Burggrabens noch zu sehen
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An dieser Stelle stand der südliche Wehrturm
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Im Schutthügel vor dem Bergfried ist der nördl. Wehrturm verschwunden
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Die Burghuten
Die zwei Burghuten, die in der Vorburg lagen, kamen im
Laufe des 15. Jhdt an den Bischof. Zuerst verkaufte Baltasar Muracher zu
Eggersberg 1414 neben Gütern in Beilngries seinen „Burgstall“ zu Hirschberg
außerhalb der Mauern an den Bischof. Burgstall wird hier wohl für einen in
Verfall geratenen Burghutsitz anzunehmen sein, der in der Vorburg lag und eine
burgartige Ummauerung besessen haben mag. Die heutige Ummauerung der Vorburg
scheint erst unter Bischof Albert von Hohenrechberg (1429 – 1446) erfolgt zu
sein.
In der Vorburg lag ferner eine Burghut, die Kaspar Dürner
zu Ottmaring gegen Ende des 15 Jhdt innehatte. 1499 gab er diese Burghut,
Hofreit und Behausung im Vorhof des Schlosses Hirschberg an den Bischof Gabriel
von Eyb zurück und nahm sie dann als „Mannlehen“. Sein Sohn Hans verkaufte den
Besitz 1516 gänzlich an den Bischof. Dieser Hans Dürner war 1498 Richter zu
Hirschberg geworden mit Übertragung des Blutbannes.
Im Hof des Hauptschlosses, zwischen dem Tor und dem
Grafentor, lagen außer der Pflegerbehausung, vier Burghutsitze mit Wohnhaus,
Stall, Scheune, u.s.w.
Eine Burghut befand sich nahe dem heutigen Südflügel an
der südl. Ringmauer, die 8m hoch war (ohne Wehrgang). Drei kleine Fenster in
der Ringmauer, die sich erhalten haben, gehörten zu dieser Behausung. Auch das
Auflager der Treppe zum Obergeschoss ist noch zu sehen.
Zwei Burghuten waren an der Nordseite des Hofes. Eine muss
an der Stelle des Westteils des heutigen Nordflügels gesucht werden, der damals
nicht bestand. Die zweite erhob sich nahe dem tiefen Brunnen und zwar westlich
von demselben. Der zugehörige Keller hat sich erhalten. Er ist vom tiefen
Brunnen aus zugänglich. Ein Rechteckraum mit einer Tonne überwölbt, welcher
nördlich an die romanische Ringmauer stößt. Ein weiterer sehr langer Keller
liegt unterhalb des Hofes vom tiefen Brunnen bis zur heutigen Waschküche. Er ist
40 – 50m lang, aber nur 1,65m breit. Dieser gangartige, tonnengewölbte Raum
scheint Weinkeller gewesen zu sein.
Um 1500 verschwinden die Burghuten, da sie mit dem
verändertem Befestigungswesen offensichtlich überflüssig wurden.
Das Burgschloss Hirschberg
Am Ostflügel des Schlosses befindet sich das Wappen von Bischof Wilhelm von Reichenau (1464-1496).

Von ihm stammt der Reichenaubau, einstattliches, dreigeschossiges Haus mit Treppengiebeln, das die Schlossanlage in
der Quere abschloss. Es ist im Umfang erhalten, aber barock verändert. Der
Reichenaubau steht an der Stelle des unbequem gewordenen alten Grafenbaues
(wenigstens teilweise). Der Bau war wahrscheinlich an der Westseite mit Gängen
oder wenigstens mit Vorräumen versehen. Der Aufgang erfolgte an der Nordwestecke.
Etwas bescheidener wie heute. Das gekehlte Portal der Reichenauzeit, das auf den
Gang des ersten Obergeschosses führte, ist erhalten.
An der Nordseite des Ganges führte eine Tür ins Freie,
d.h. auf eine Altane. Die Altane ruhte auf einer beträchtlichen
Mauerverstärkung. Diese wurde in der Barockzeit in etwas derber Weise
abgewalmt, wie heute noch zu sehen ist.
In jüngster Zeit wurde ein Wappenstein von Gabriel von Eyb
aus dem Jahre 1519 aufgefunden.

Das Steinwappen des Martin von Schaumberg (1560-1590) ist
am Ostflügel als Gegenstück zum Reichenauwappen angebracht. Er ließ vermutlich
den Nordflügel errichten. Dies zeugen die steinernen Sohlbänke und Verdachungen
an den Fenstern auf der Außenseite. Der Schaumbergflügel war ursprünglich gegen
Westen um drei Fensterachsen kürzer und wurde erst 1729 verlängert.

Durch Schaumberg wurde das zweite Zwingertor
weiter nach Westen verlegt. Das untere Tor und der wahrscheinliche Zwischenflügel
sowie die Burghuten verschwanden spätestens in dieser Zeit. (Vermutlich schon
zu Wilhelm von Reichenau Zeit) Es entstand der große, einheitliche Innenhof.

Durch einen Blitzschlag entstand am 30. August 1636 ein Großbrand (Bei Sax (S.
531) fälschliche Angabe: 1652 - angegeben auch im Archäologischem Jahrbuch
1989), dem viel Bausubstanz zum Opfer fiel. Abgebrannt ist der komplette Ostflügel, der Bau des Wilhelm von Reichenau.
Verschont blieb der Südflügel mit Kapelle, das Pflegerhaus am Hungerturm und
die Türme selber. Ob der Nordflügel abbrannte ist nicht ersichtlich.
Die Wiederherstellung erfolgte auf Grund des 30 jähriger
Krieges nur schleppend.
Das Aussehen des Schlosses wird vor dem Umbau im Jahr 1760 wie folgt beschrieben:
Am Westteil des Südflügels fügte sich an der Kapelle eine
Stallung mit Getreidekasten aus älterer Zeit an.
Am Hungerturm fügte sich der viergeschossige Bau des
Friedrich von Öttingen an. Das "alte Kastenhaus" wurde 1761
abgebrochen.
Die romanische Ringmauer (Schildmauer) stand noch zwischen
beiden Türmen.
Die Zufahrt zum Schloss erfolgte über die Südecke (am
so genannten Poetenwinkel) durch den Zwinger - wie seit dem 14. oder 15. Jhdt.
Durch das Schaumbergtor in der Ringmauer erreichte man
mittels Kurve den Schlosshof.
Die Burghuten existierten längst nicht mehr.

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